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Gars Erdkeller

Der Eingang.

Gars – Vermutlich unzählige Schüler haben sich schon einmal gefragt, was denn hinter dieser Tür steckt, die sie zweimal am Tag aus ihrem Schulbusfenster heraus sehen. Wenn sie sie denn überhaupt sehen. Denn zur Zeit ist der Eingang ein wenig zugewachsen. Das ist der Eingang zu einem Erdkeller, wie er früher oft verbreitet war. Der liegt gleich neben der Straße von Gars in Richtung Limberg bei Schafleiten. Dort, wo die Autos viel zu schnell am Hof von Johann Schwarzenböck vorbeifahren.

Komfortabel mit Fenster. Durch sie wurden allerdings auch die Kartoffeln gereicht.

Schon länger war hier niemand mehr herinnen. Ein paar Schaufeln voll Erde sind nachgerutscht und blockieren den Eingang. Die sind schnell weggeräumt, die Holztür geht leicht auf. Zur Überraschung ist es darin gar nicht dunkel, denn aus zwei Fenstern kommt Licht und erhellt den größeren der beiden circa 20 und 50 Quadratmeter großen Räume. Noch bis vor zehn Jahren lagen darin Kartoffeln und Rüben vom eigenen Acker. Das habe man aufgegeben, erklärt Johann Schwarzenböck, der Anbau lohne sich nicht mehr.

Komfortabel mit Fenster. Durch sie wurden allerdings auch die Kartoffeln gereicht.

Obwohl der Erdkeller gar nicht so tief liegt, nur in einem Hang, ist die Temperatur darin ziemlich konstant, kein Frost im Winter. Gebaut hat ihn sein Opa Josef Schwarzenböck im Jahr 1941. Gut erinnert er sich noch daran, wie Kartoffeln und Rüben durch die Fenster und eine Öffnung auf der Oberseite hereingereicht wurden und sie als Kinder beim Einlagern halfen durften und mussten. Ein paar leere Regale zeugen noch davon.

Soyen Kraftwerk

Soyen -- Für ein Wohnhaus ist das Gebäude an der Soyener Seestraße zwischen See und der Straße zu klein, für eine Garage fehlt die Zufahrt. Als Schuppen schaut es schon fast zu vornehm aus. Dann bleiben nicht mehr viel Möglichkeiten, es ist ein Schleusenhaus. Viele gehen auf dem Gehsteig zigmal daran vorbei und der ein oder andere fragt sich: Was ist da drin?

Die unscheinbare Tür an der Seestraße.
Die unscheinbare Tür an der Seestraße.



Im Häuschen selber ist nicht allzuviel, aber in seinem Keller in zwölf Meter Tiefe dafür um so mehr. Dort unten fließt Wasser in einem Kanal vom See bis ins zwei Kilometer entfernte Kraftwerk nach Vorderleiten am Inn. Den Haager Kraftwerken gehört die gesamte Anlage, sie ist 90 Jahre alt. Geschäftsführer Georg Gantenhammer zeigt nicht ohne Stolz diese Technik, denn zum einen funktioniert das Kraftwerk seit dieser Zeit reibungslos und zum anderen war man bereits damals der Zeit voraus, weil dieser Strom umweltfreundlich entsteht.

 

Hinter der Tür ist es aufgeräumt.
Hinter der Tür ist es aufgeräumt. Ein Stück Ersatzrohr lagert hier, es wurde noch nie gebraucht.



Öffnet sich die Tür des Schleusenhauses, zeigt sich ein schlichter Holzboden, Geländer und ein Stück Ersatzrohr. Im Boden führt eine Leiter nach unten. Dort gibt ein Gitter den Blick auf ein großes Wasserrohr mit einer Absperrvorrichtung frei. Die stoppt den Wasserfluss vom See in den zwei Kilometer langen Stollen und legt ihn fast trocken. Auf dem Weg zum Kraftwerk gibt es noch mehr Absperrvorrichtungen. Die erste ist gleich am Wehr beim Seeufer und im weiteren Verlauf beim Kraftwerk selbst. Leider sieht man die eigentliche Besonderheit, den Stollen, von hier aus nicht. Der ist im Betrieb voller Wasser, also so gut wie immer. Eine Revision dieser Anlage ist alle zwei bis drei Jahre notwendig, etwa alle fünf bis acht Jahre wird der Stollen genau untersucht und ausgebessert. Dann ist er auch mal trocken. Der Bau des Stollens war eine Leistung, denn von beiden Seiten trafen die Arbeiter auf 30 Zentimeter genau aufeinander.

 

Der Schieber in zwölf Meter Tiefe stoppt die Wasserzufuhr.
Der Schieber in zwölf Meter Tiefe stoppt die Wasserzufuhr.



Bei 1,90 Meter Höhe und 1,40 Meter Breite kann man gut darin gehen, aber der Aufenthalt darin ist nicht ohne, weiß Georg Gantenhammer. Denn der Boden des Stollens hat zum Teil eine leichte Wellenform, so dass beim Ablassen des Wassers hier immer noch welches steht. Ist man mitten im Stollen und steht einem das Wasser bis zur Brust, kommt zuweilen ein beklemmentes Gefühl auf und verlangt selbst Arbeitern, die problemlos hohe Strommasten besteigen, einiges ab.

Auf seinem 2,1 Kilometer langen Weg in Richtung Vorderleiten passiert das Wasser ein Ausgleichsbecken, in das Wasser bei Bedarf entweichen kann. Kurz darauf geht es durch ein Fallrohr über 50 Meter hinab. Bei einer Druckmehrung von einem Bar alle zehn Meter kommen somit mehr als fünf Bar bei den drei Turbinen an. Anschließend fließt das Wasser in den Inn. Erzeugt werden bis zu 900 Kilowatt, im Jahr macht das etwa drei Millionen Kilowatt, die Anlage läuft nicht durchgehend. Sie wird zu Spitzenzeiten eingeschaltet um den Bedarf vor allem mittags und abends zu decken. Vom Pegel her seien längere Betriebszeiten möglich, man dürfe bis zu vier Meter den Wasserstand am See senken. Aber, erinnert sich der Geschäftsführer, das habe man einmal gemacht. Danach hatten die Badegäste einen ziemlich breiten Strand, über den sie sich beschwerten. Seitdem bewegt sich der Pegel am Wehr zwischen drei bis vier Meter, also etwa einen Meter Absenkung. Die Steuerung erfolgt seit Jahren vollautomatisch.

 

Das Wehr am Soyensee.
Das Wehr am Soyensee, erklärte Geschäftsführer Georg Gantenhammer, hat eine Absperrvorrichtung und eine Pegelmessgerät.


Übrigens könnte man dieses Kraftwerk heute nicht mehr bauen, bedauert Gantenhammer. Alleine für den Stollen wären die Lohnkosten viel zu hoch und stünden in keinem Verhältnis zum Stromertrag. Regelmäßig besichtigen heute vor allem Schulkinder dieses Kraftwerk.

 

Soyen Hausflur

Hinter der Tür verbirgt sich ein Fletz mit Geschichte.
Hinter der Tür verbirgt sich ein Fletz mit Geschichte.

Soyen -- Dem eher unauffälligem Eingang des Bauernhauses in Soyen sieht man von außen nicht an, was für ein schöner Fletz hinter der Haustüre liegt. Durch einen Tipp sind wir darauf aufmerksam geworden.

Der
Fletz.
Der Fletz.



Fletz ist der ostbayerische Ausdruck für Hausflur und leitet sich ab von Vletze und Flöz und meint geebnete Erde. In der Regel befindet sich der Fletz in der Mitte eines Hauses, verläuft quer hindurch und führt oft auf der anderen Seite wieder hinaus. Zu beiden Seiten schließen Zimmer an, so dass man nicht Räume durchqueren muss, um in andere zu gelangen. Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit vor allem in älteren Gebäuden. Der Fletz im Bauernhaus von Martin und Erika Ludwig in Zuhr ist schon lange nicht mehr so eben wie am Anfang. Zuviele sind schon darüber gegangen, haben den gebrannten Ziegelstein abgelaufen und ihm seine heutige Form mit Erhebungen und Vertiefungen gegeben.

Dieser Boden hat schon einiges gesehen.
Dieser Boden hat schon einiges gesehen.



So etwas ist nicht einfach zu putzen, aber Erika Ludwig hat im Laufe der Zeit ihr Rezept gefunden. Je nach dem geht es mit normalen Reiniger, aber auch manchmal mit Waschpulver und Bims, dem Schmutz zu Leibe. Schmierseife lässt ihn wieder glänzen.

Ofen der hauseigenen
Bäckerei.
Ofen der hauseigenen Bäckerei.


Dicke Bretter liegen im Flur über einem Kellerabgang, der von außen durch eine Luke aufzufüllen ist. Mit dem Lagern von Äpfeln hat man es auch einmal probiert, „aber der Keller ist zu warm“, erinnert sich Erika Ludwig. Neben dem Kellerabgang ist eine weitere Besonderheit, ein sehr schön gemauerter Backofen mit gußeisernen Türen. „Ein einziges Mal“ hat ihn die Hausherrin in den letzten Jahrzehnten benutzt. Gedacht war er zum Brotbacken. Mühe gaben sich in diesem Haus auch die Elektriker. Die Aufputzleitungen aus der Anfangszeit der Elektrifizerung haben sie geschickt unauffällig als Kreuzrippen getarnt auf dem Gewölbe verlegt, die Verteilerdose mitten auf der Rosette.

Elektrifizierung als Kreuzgewölbe getarnt. Die
Verteilerdose liegt auf der Rosette.
Elektrifizierung als Kreuzgewölbe getarnt. Die Verteilerdose liegt auf der Rosette.


Sebastian und Veronika Zur bauten das Haus 1835. Aber die Geschichte geht noch viel weiter zurück. Denn in diesem Hausflur hängt auch der Stammbau der „Zur-Lampersperger von der Pfarrei Rieden“. Der beginnt 1579 mit Anna Zuerin, die das Anwesen im Erbrecht an Georg und Barbara Zuer weiter reichte. Schluss der Aufzeichnung ist 1932. Der Rest bis heute ist im Kopf der Bewohner, die 1998 den Hof an ihren Sohn übergaben.

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