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600 Jahre Kloster Ramsau

Das Kloster in Ramsau wird heuer 600 Jahre alt. An diese lange Zeit erinnern Vorträge und ein großer Festtag im September. Immer schon war das Kloster mit dem Dorf verbunden, wie ist das heute?


Eingang
Eingang

Während derzeit hiesige Fachleute in Vorträgen die vorhergehenden Jahrhunderte beleuchten, haben viele Nachbarn noch die jüngere Zeit in Erinnerung. Da gab es das Kinderheim St. Josef, in dem zwischen 1900 und 1983 bis zu 150 Kinder gleichzeitig hier lebten, nur einmal unterbrochen im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs, als hier ein Lazarett war. 34 Schwestern kümmerten sich im 1968 um die Kinder. Die hatten eine eigene Schule und auf Postkarten ist sogar ein Schwimmbad zu sehen. Ab 1983 zogen körperbehinderte junge Frauen vom Berufsbildungswerk der Salesianer Don Bosco aus Waldwinkel ins Haus, die bis ins Jahr 1996 von den Schwestern mitbegleitet wurden.

Darüber hinaus beherbergten die Schwestern von 1991 an für fünf Jahre bis zu 75 kroatische Kriegsflüchtlinge, fast die Hälfte davon waren Kinder. Seit 1996 ist die Stiftung Ecksberg neuer Mieter. Heute leben hier 56 geistig und körperlich behinderte Menschen in sechs Wohngruppen. Sie sind zwischen 21 und 83 Jahre alt und haben auch eine eigene Förderstätte innerhalb des Klosters.


Oberin Ludovica.
Oberin Ludovica.

Den Bezug zu den 600 Jahren stellt der Klosterbau im Süden her, die anderen Gebäude sind neuer. Dieser Flügel steht noch als einziger Bau des ehemaligen Augustiner-Eremiten-Klosters und wurde von den ersten Schwestern im Jahr 1899 bezogen. 1907 kam der Ostflügel und das Nebengebäude hinzu. Vier Schwestern vom Orden der Franziskanerinnen, zugehörig zum Mutterhaus in Au am Inn, kümmern sich heute um alles. Die Schwestern versorgen ihren Haushalt selbst, dazu gehört auch die Pflege des großen Gartens. Es gibt einen strukturierten Tagesablauf beim dem sich Gebet und Arbeit abwechseln. Das beginnt um 7 Uhr mit Singen, gefolgt von einer Heiligen Messe, dann ist Frühstück. Um 11.15 Uhr wird gebetet, um 11.30 Uhr zu Mittag gegessen, 16.30 Uhr ist Gemeinsame Anbetung, 17.30 Uhr Vesper und um 18 Uhr Abendessen.

Wichtig ist der Austausch mit der Bevölkerung, etwa bei Festen und Feiern, vor allem sonntags um acht Uhr in der Klosterkapelle beim gemeinsamen Gottesdienst. Darüber sind nicht nur die Schwestern froh, sondern die Bewohner des Heims, erklärt deren Leiterin Marianne Osl. Denn die Dorfbewohner und vor allem die Schwestern würden von den Heimbewohnern stark wahrgenommen. Man sei sehr froh, hier in Ramsau eine Bleibe gefunden zu haben, vor allem auch wegen des unmittelbaren Kontakts zur Bevölkerung.


Das Speisezimmer.
Im Speisezimmer wird für vier gedeckt.


Einfach toll sei es, wie die Ramsauer die Behinderten aufnehmen, auch wenn manches Schwierigkeiten bereite, lobt die Leiterin.

Marianne Osl ist
Leiterin der sechs Wohngruppen im Haus.
Marianne Osl ist Leiterin der sechs Wohngruppen im Haus.

Weil es aber doch ab und zu lauter werde oder manche ungestüm reagieren, suche sie regelmäßig das Gespräch mit der Bevölkerung. Denn „wenn es einmal förmlich wird“, dann sei es zur Distanz nicht mehr weit. Eine Besonderheit kommt dabei dem nahen Dorfladen zu, denn der ist zum Einkaufen bei den behinderten Bewohnern sehr beliebt.

In der Wohngruppe.
Spiel und Spaß in der Freizeit der Wohngruppe.

Ein großer Tag für alle Bewohner und die Schwestern wird der 28. September werden, da wird Weihbischof Bernhard Haßlberger zum Festgottesdienst anläßlich des Jubiläums erwartet.

Seiteneingang
Seiteneingang

Die Generaloberin aus Au am Inn, Schwester Dominica, berichtete in einem eigenen Vortrag aus der Klosterchronik und dabei vor allem aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und vom Kinderheim. Ihr Vortrag begann bei der Säkularisation, als der „Undank der Welt“ die Mönche traf, wie es der Chronist beschrieb. Aber die Neubegründung des Klosters folgte und zwar mit sieben Schwestern 1899. Gleichzeitig ist eine Waisenanstalt für Mädchen geplant und eingerichtet worden. 38 Heimplätze reichten aber schon bald nicht mehr aus, der Ostflügel stand deshalb zum Wiederaufbau an, 1908 ist er bezogen worden.

1910 verstarb ein Gönner des Hauses, der „Linner Vater“. Der hatte im Sterbebett verfügt, dass sich die „nimmermüden Mäglein“ der Kinder ordentlich mit Kalbfleisch und Semmeln füllen konnten. 1919 war die „Schreckensherrschaft der Münchner Räterepublik“ zu spüren. „Edle Wohltäter aus Amerika“ halfen sogar, die Auswirkungen der Inflation zu mildern. Nach und nach sind in dieser Zeit viele Erleichterungen angeschafft worden: Ein Pferd, Telefon, 36 Waschbecken oder eine Schulküche. Für 1933 ist „national eingestellter“ Schulunterricht notiert worden. Im selben Jahr freuten sich die Kinder über das neue Schwimmbad. Das Plantschen im Wasser, so wurde vermerkt, wirkte auf die Kinder beruhigend, „machte sie frischer, widerstandsfähiger“. 1934 wohnten hier 80 Kinder.

Die Klosterkapelle.
Die Klosterkapelle.

1940 berichtet die Chronik von 52 Mädchen aus Hamburg, die beim Willkommensessen „keinen Bissen hinunterbrachten“, weil ihnen „der Schrecken darüber in den Gliedern“ saß, dass sie in „ein Heim mit katholischen Schwestern geraten waren“. Das legte sich aber, die Kinder nahmen sogar zu. Ein ehemaliger „Zögling“ überflog im Krieg als Soldat mehrmals das Heim, machte sich bemerkbar, starb aber später im Einsatz. Ein anderer lag als Verwundeter sogar in seinem früheren Jugendzimmer, als das Kinderheim weg und ein Lazarett eingerichtet war. Bei der Räumung des Heims und der Unterbringung von 170 Kindern halfen umliegende Familien mit.

Erwähnt wurden auch in der Chronik mehrere schwere Stürme mit Hagel, die vieles zerstörten. So schoss einmal Regenwasser „über die Kellertreppe wie ein Wildbach“. Nach dem Krieg fand dann sogar eine Kirchenglocke zurück. Der Erdinger Fliegerhorst schickte 1952 einen Hubschrauber mit Weihnachtsgeschenken für die Kinder, die waren außer sich vor Freude und nahmen das mit „Indianergeschrei“ entgegen. Zunehmend ging bis zur Schließung die Belegung zurück, weil die Jugendämter Pflegefamilien als die bessere Unterbringung sahen.


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